Grüne Zukunft für die hohenlohische Wirtschaft

Hans-Jochen Beilke von ebm-papst zeigt jungen Kaufleuten, wohin die Entwicklung geht

Er sei ganz froh, mal aus dem Betrieb ´rauszukommen, meinte Hans-Jochen Beilke, der Vorsitzende der Geschäftsleitung von ebm-papst, als sich Schulleiter Gerald Bollgönn für sein Kommen trotz großer zeitlicher Belastung bedankte. Er sei nicht gerade ein Musterschüler gewesen, habe aber viele Freunde gehabt. Erst nach der Schule habe er richtig gezündet: Nach einer Ausbildung als Polizist über den zweiten Bildungsweg habe er den „Hebel umgelegt“ und mit dem Studium begonnen. Als Tipp gab er seinen jugendlichen Zuhörern, 80 Azubis und Schülern der Kaufmännischen Schule Künzelsau, mit, wer noch keinen rechten Plan habe, könne sich ja immer noch umorientieren. Vermutlich befänden sich die jungen Leute im Saal aber bereits auf gutem Weg.

Dann stellte Hans-Jochen Beilke die Firma vor. Ebm-papst wurde 1963 als Elektrobau Mulfingen GmbH & Co. KG durch Gerhard Sturm und Heinz Ziehl gegründet. Maßgabe seitens der Landesregierung sei damals gewesen nicht mehr als 80 Mitarbeiter in Mulfingen zu beschäftigen, um die ländliche Struktur des Jagsttals nicht zu belasten. Heute arbeiten für ebm-papst 2.800 Mitarbeiter. Im letzten Geschäftsjahr habe sich der Umsatz im Gesamtkonzern um 33 % auf 1,3 Mrd. EUR gesteigert, in Mulfingen sogar um 41 %. Ein Problem seien heute die langen Lieferzeiten, was auf die Abhängigkeit von elektronischen Bauteilen zurückzuführen sei. Die Wirtschaftskrise habe man gut überstanden, weil man trotzdem weiter investiert habe und einen gesunden Branchenmix verfolge. Einen Einbruch habe es nur bei Billiggeräten und im Maschinenbau gegeben, während die Luft- und Klimatechnik und auch die Heiztechnik nicht gelitten hätten. Wer auf dem globalen Markt erfolgreich bleiben wolle, müsse überall präsent sein, und zwar schneller als die Wettbewerber, und die gefragten Produkte bieten. Ebm-papst produziert heute an 17 Standorten, u. a. in China, den USA und in Ungarn. Der Hauptumsatz habe sich in den letzten 10 Jahren allerdings verschoben von den USA nach China und auf andere asiatische Märkte, nämlich von 7 % auf 17 %. Das Motto von ebm-papst lautet: Im Land für das Land produzieren, auch in der Krise nicht sparen, wenn man hinterher den Markt erfolgreich bedienen will.

Hans-Jochen Beilke zeigte sich überzeugt, dass der nächste Technologiezyklus „grün“ sein werde, denn Energieeffizienz werde immer wichtiger. So ist ebm-papst bereits auf dem Markt für erneuerbare Energie präsent. Für die ganze Wirtschaft in Hohenlohe sieht er gute Ansätze bei energiesparenden Produkten, so z. B. auch bei Ziehl-Abegg oder Gemü. Reduziert würden dabei nicht nur die Stromkosten, sondern auch die Kosten in großen Rechenzentren. Als Weltneuheit im Bereich des Umweltschutzes nannte er Ventilatoren aus Bio-Werkstoffen und sieht darin Meilensteine für den Umweltschutz.

Direkt an seine Zuhörer gerichtet, betonte Hans-Jochen Beilke, dass Unternehmen sich in Zukunft noch mehr um geeignete Auszubildende bemühen müssten, noch vor drei Jahren habe es Tausende von Bewerbungen gegeben, aber diese Zahl gehe immer weiter zurück. Weltweit beschäftigt ebm-papst 11.100 Mitarbeiter, davon 52 % in den ausländischen Produktionsstätten. Ein ausgesprochen dynamischer Auftragseingang spreche für eine weltweit gute konjunkturelle Lage. Vor 15 Jahren waren China und Indien noch völlig unbedeutende Absatzmärkte, heute verschiebt sich der Markt von den USA und Europa nach Asien, allerdings gelte das auch für den Wettbewerb. Operatives Ziel sind deshalb Innovationen, die mit einer 80 prozentigen Trefferquote die dortige Marktlage bedienen sollen.

Mit „Greentec“ sieht sich ebm-papst auf dem Weg zum ganzheitlich „grünen“ Unternehmen. Beispielgebend für die Geschäftsleitung ist Hans-Jochen Beilke vorangegangen und von der S-Klasse auf die umweltfreundlichere E-Klasse Diesel umgestiegen, um auch persönlich zur Reduzierung des C02-Ausstoßes beizutragen. Als Anreiz für andere Mitarbeiter, ihm darin zu folgen, soll es Extras nach Wahl geben, zum Beispiel eine tolle Stereo-Anlage. Das Unternehmen will man vor zentralistischen Strukturen schützen, die große Konzerne oft schwerfällig machen. So heiße bei ebm-papst der Personalchef weiterhin Personalchef und nicht Human Resource Manager.

Nach seinem Vortrag stellte sich Hans-Jochen Beilke den Azubis und Schülern noch für ihre Fragen.

Dr. Hans Hagdorn

Schulleiter Gerald Bollgönn (L.) bedankt sich bei dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der ebm-papst Gruppe Hans-Jochen Beilke für den interessanten Vortrag