Vom Europaparlament zur Schulbank
Europa-Abgeordneter Winfried Menrad besuchte am 17.02.2003  die Kaufmännische Schule Künzelsau
Von Cornelia Egger und Natalie Batt

Dass der Abgeordnete aus dem fernen Straßburg selbst aus einer kaufmännischen Schule im Hohenlohischen kommt, hat ihn uns Schülern gleich näher gebracht. Winfried Menrad war Studiendirektor an der Kaufmännischen Schule Schwäbisch Hall, bis er 1989 erstmals als Vertreter der CDU-nahen Europäischen Volkspartei ins Europaparlament gewählt wurde. Dort ist er für den Bereich Beschäftigung und Soziales als Vizepräsident tätig.

Der Abgeordnete gab zunächst einen Überblick über den Aufbau des Parlaments und schilderte seinen Politikeralltag. Als wichtigste Entscheidung seiner Amtszeit sieht er die Beschlussfassung zur Erweiterung der Europäischen Union um zehn neue Mitglieder zum 1. Januar 2004. Damit müssen die Beitrittsländer ihre nationalen Gesetzgebung an den Standard der Union anpassen und tief greifende und sicher schmerzhafte Strukturreformen in Landwirtschaft und Arbeitswelt vornehmen. Dafür wurden ihnen Übergangsfristen von mehreren Jahren eingeräumt, bis sie vollständig eingegliedert werden können. Selbstverständlich würden die Beitrittsländer nicht sofort in die Währungsunion eintreten können, sondern müssten erst die Konvergenzkriterien erfüllen, betonte Menrad.



 

Auch die EU müsse sich in institutionellen Fragen neu orientieren. So würden künftig viele Beschlüsse nicht mehr Einstimmigkeit erfordern, sondern nach dem Mehrheitsprinzip gefasst werden, damit die Union entscheidungs- und reformfähig bleiben und nicht von einzelnen Mitgliedsländern mit Eigeninteressen gelähmt werden könne. In der Erschließung der ostmitteleuropäischen Märkte bestünden immense Absatzchancen für die deutsche Wirtschaft, speziell auch für unsere Region, in der jeder dritte Arbeitsplatz vom Export abhängt. MEP Winfried Menrad sieht in der Zusammenarbeit in wirtschaftlichen, sozialen und politischen Fragen die größte Chance zur Sicherung von Frieden und Wachstum in Europa.

Die geplanten Reformen innerhalb der EU, die Chancen und Risiken für Deutschland, die Wahl eines europäischen Präsidenten und die Haltung des Europäischen Parlaments zum drohenden Krieg gegen den Irak und zu den Konflikten in Palästina waren Thema der anschließenden Diskussion. Wir Schüler genossen es, dass wir als junge Staatsbürger mit unserer Meinung und unseren Sorgen ernst genommen wurden und dass wir die Möglichkeit erhielten, über Politik aus berufenem Munde zu hören.