Was macht eigentlich der Fan-Beauftragte eines Bundesligavereins?

Genau das erklärte Peter Reichert, der Fan-Beauftragte des VfB Stuttgart in einer Gemeinschaftskunde-Stunde 80 Schülern und Schülerinnen der Kaufmännischen Berufsschule Künzelsau, zu der ihn Oberstudienrat Heinz Deuerbach eingeladen hat. Gespannt hörten sie zu, was der Experte über Fan-Krawalle und die damit verbundene Gruppendynamik zu sagen hatte. Peter Reichert, der vor über 20 Jahren selbst für den VfB und zwei Jahre für den KSC gekickt hatte, spielte zwischendurch vier Jahre in der französischen ersten Liga. Heute ist er hauptberuflich Fan-Beauftragter beim VfB, mit dem er 1984 Deutscher Meister geworden war, und hält ständig Kontakt zu den Fan-Clubs und zur entsprechenden „Szene“.

Reichert berichtete von der Zusammenarbeit mit der Polizei und seinen Kollegen bei den anderen Bundesliga-Vereinen. Trotz Personenkontrolle und Sicherheitsdiensten gelinge es den Ultras immer wieder, Feuerwerkskörper und Raketen ins Stadion zu schmuggeln. Diese „Fans“ gingen generalstabsmäßig vor und bauten erst in den Zuschauerräumen zusammen, was sie dann als bengalisches Feuer, als Kracher und Raketen abfeuern, erläuterte Reichert. Oft fänden sie auch Schmuggelwege, indem sie „Hilfskräfte“ auf der Haupttribüne missbrauchten. Leider sei im Vergleich zu früher, wo es ja auch schon Schlägereien unter gegnerischen Fan-Gruppen gegeben hat, die Reizschwelle niedriger geworden. Wenn ein „Gegner“ schon am Boden liege, werde heute noch nachgetreten und damit bewusst Körperverletzung in Kauf genommen. Um bei Ausschreitungen einschreiten zu können, ist Peter Reichert wie seine Kollegen bei Auswärtsspielen des Vereins dabei.

Trotz aller Frust-Erlebnisse liebt Peter Reichert seinen Job, denn anders als man nach den Negativmeldungen in den Medien meinen möchte, ist die große Mehrheit der Fans friedlich und unterstützt den Verein. Gerade die Spieler sind auf die tatkräftige Unterstützung ihrer Anhänger angewiesen, besonderes wenn es einmal nicht so gut läuft, und das wissen sie auch zu schätzen. So sind nur einige wenige „Unbelehrbare“ für die Randale verantwortlich, bringen aber die große Menge der fußballverrückten, friedfertigen Fans in Verruf.