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Bildungskapitale Heilbronn – Bürgermeister Harry Mergel wirbt für seine Stadt |
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Heilbronner kämen wohl nicht so oft ins Hohenlohische nach Künzelsau wie umgekehrt, meinte Heilbronns Kultur- und Sozialbürgermeister Harry Mergel, als er vor annähernd 100 Schülerinnen und Schülern der Kaufmännischen Schule Künzelsau über das bildungspolitische Selbstverständnis und über kommunale Bildungsinitiativen der Regionalhauptstadt sprach. Eingeladen hatte der Schulfreundeskreis, der mit prominenten Rednern immer wieder für Bereicherung des Schullebens sorgt. Harry Mergel berichtete erst über seinen eigenen Werdegang, die Rebellionsphase, die richtungsweisende Lenkung durch seine Lehrer, das Engagement im Fußballvereinund in der evangelischen Kirche, die Ausbildung zum Diplomverwaltungswirt, das Studium des Lehramts an beruflichen Schulen und seine Zeit als Lehrer. Aus seiner Politisierung im Gemeinderat, wo er seit 1996 der SPD-Fraktion vorsitzt, erklärt sich sein bildungspolitisches Ziel, Chancengleichheit für Arbeiterkinder zu erreichen. Dann skizzierte er die Geschichte Heilbronns von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 741zum Schwäbischen Liverpool und zum katastrophalen 4. Dezember 1944, an dem 98 Prozent der Innenstadt in Schutt und Asche gelegt wurden. Heute hat Heilbronn mit 125.000 Einwohnern die Größe des Saarlands und eine durch AUDI-Zulieferer, Lebensmittelindustrie und Salzbergbau geprägte Wirtschaft. Bürgermeister Mergel erläuterte im Folgenden Struktur und Kompetenzbereiche der Heilbronner Verwaltung, in der er das mit 350 Millionen € größte Dezernat III leitet, wie im Rathaus Entscheidungen getroffen werden und welche Rolle der sachorientierte Pragmatismus dabei spielt. Ideologische Feindbilder aus dem 70er Jahren seien dabei auf allen Seiten längst auf der Strecke geblieben. Als größte Aufgaben der nahen Zukunft nannte er die Stadtbahn von und nach Neckarsulm und die Bundesgartenschau im Jahr 2019. Dann kam Harry Mergel zum Kern seines Themas, den bildungs- und kulturpolitischen Ambitionen seiner Stadt. Bildung sei zwar Ländersache, doch folgten mittlerweile alle großen Städte im Lande Heilbronn und sattelten ihrerseits auf die Breitenbildung auf, z.B. bereits bei den Kleinsten, denn Heilbronn habe als erste Stadt die Kindergartengebühren ganz abgeschafft. Die Notwendigkeit solcher kommunaler Maßnahmen leitet er aus den niederschmetternden Ergebnissen der PISA-Studie ab, nach der 20 bis 25 % eines Jahrgangs nie auf dem ersten Arbeitsmarkt landen würden, und das koste die öffentliche Hand umso mehr, je später präventive Maßnahmen einsetzten. So entwickelt die Stadt Heilbronn seit 2006 eine integrierte Bildungsplanung mit dem Ziel der Chancenverbesserung für bildungsferne Schichten und hat dafür bereits zehn Stellen geschaffen. Beraten und unterstützt wird die Stadt dabei durch die Bertelsmann-Stiftung mit ihrem KECK-Programm zur Sprachförderung in allen 86 Kindergärten, begleiteten Übergang in die Grundschule und die Entwicklung von Schulen mit Förderkonzeption, die de facto als Ganztagesschulenorganisiert sind. So können in Heilbronn bereits 40 % der Grundschulkinder in einer solchen Schule gefördert werden – Begabtenförderung inklusive – während es im Landesdurchschnitt nur 10 % sind. Weiterhin hat die Stadt kulturelle Angebote wie die Musikschule in die Schule verlagert, um auch damit für Chancengleichheit zu sorgen. Nach dem neuesten Konzept arbeiten Schulkoordinatoren auf allen Ebenen zusammen und verzahnen die Jugendarbeit zunehmend mit der Arbeit in der Schule, unter Einbeziehung des Experimenta Sciences Centres und des Bildungscampus. Dieses Modell, mittlerweile als „Heilbronner Weg“ im ganzen Land bekannt, wäre ohne das Engagement der Dieter-Schwarz-Stiftung nicht möglich. Nach so viel Information aus erster Hand blieb immer noch Zeit zur Aussprache mit den Schülern, die von Harry Mergel seine Meinung zum G8 wissen wollten und wie 22 Millionen € für Kulturangebote, z. B. Theater und Orchester zu rechtfertigen seien. G8 sei in Ordnung, wenn die Erwartungen strukturell so angelegt seien, dass die Schüler sie bewältigen könnten, für kulturelle Grundangebote sei nun einfach einmal die öffentliche Hand zuständig, Kultur sei ja für alle offen, und das zu subventionierten und günstigen Tarifen. Kontrovers ging es dann her, als über die Sicherheit in der Stadt diskutiert wurde, doch dabei dürfe man eben nicht von subjektiven Meinungen ausgehen. Schulleiter Gerald Bollgönn dankte Bürgermeister Mergel für seinen Vortrag und nahm ihm noch das Versprechen ab, eine Schülergruppe nach Heilbronn einzuladen, um sich dort selbst davon zu überzeugen, was in seiner Stadt alles getan wird, um sie lebenswert zu halten und um allen die Chance zu geben, ihren Begabungen gemäß ihr Leben selbst zu gestalten. Dr. Hans Hagdorn |
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