Gib Acht im Verkehr

Stark ist man nicht, wenn man rücksichtslos ist. Stark ist man, wenn man rücksichtsvoll ist.“ Heinz Kälberer, Präsident der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg, bündelte gestern in der Künzelsauer Eberhard-Gienger-Halle, was Anliegen der Aktion „Gib Acht im Verkehr“ ist. Rücksichtnahme, Verantwortung für sich und andere im Straßenverkehr.

Und weil „Gib Acht im Verkehr“ auch als Werbetext für die Aids-Prävention taugt, wird „Verkehrserziehung“ jetzt erstmals zweigleisig angeboten: Das Landratsamt, die Polizeidirektion, die Kreisverkehrswacht Hohenlohe, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche Aids-Stifung und das Ingelfinger Unternehmen Gemü ziehen hierfür an einem Strang.

Risikogruppe Obwohl im Hohenlohekreis nur rund acht Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sind, verursachen sie nach Aussage von Richard Diesch, Leiter der Polizeidirektion Künzelsau, gut 30 Prozent aller schweren Verkehrsunfälle. Diese Tatsache rief den Verkehrserzieher der Polizeidirektion Künzelsau, Gerhard Wolpert, auf den Plan. Er initiierte ein „Verkehrs- und Aidspräventionsprojekt“ unter Federführung der Polizei und des hiesigen Gesundheitsamtes.

Gestern wurde dieses Projekt, das sich der Doppeldeutigkeit des Wortes „Verkehr“ ganz bewusst bedient, in der Eberhard-Gienger-Halle vorgestellt. Es soll landes- und bundesweit Früchte tragen. Rund 1000 Schüler der Berufsschulen bildeten die eindrucksvolle Kulisse, als es darum ging, zu zeigen, wie Straßenverkehrserziehung und Aids-Vorsorge verbunden werden. Im Kern geschieht das durch einen Schlüsselanhänger. An dem hängt ein Kondom, dessen Verpackung in deutscher, russischer und türkischer Sprache mahnt: Gib Acht im Verkehr. Außerdem hängt an dem Anhänger eine eigens gefertigte Kunststoffschachtel, die dem Verhütungsmittel als Aufbewahrungsort dienen kann. Sie sieht aus wie die Miniaturausgabe einer Warndreieckverpackung und trägt das Emblem „Gib Acht im Verkehr“.

„Ich wollte ein Produkt entwickeln, das bei der Hauptzielgruppe gut ankommt“, sagte Gerhard Wolpert. Der Schlüsselanhänger soll bewusst nicht als Streuartikel verteilt werden, sondern nur in Verbindung mit Aufklärungsaktionen der Polizei für junge Autofahrer. Zu solchen Info-Veranstaltungen gehören auch Filme, Erfahrungsberichte Betroffener und ein Musikvideo mit dem Titel „Wo ist das Licht am Ende dieser Zeit“, in welchem Trauer um ein Unfallopfer thematisiert wird.

„Was nutzt die beste Idee, wenn die Mittel zur Umsetzung fehlen“, würdigte Polizeichef Richard Diesch das Engagement des Unternehmers Fritz Müller. Die Firma Gemü hatte die Schachtel für das Kondom entwickelt und produziert. „Es wurde recht locker damit umgegangen, aber der nötige Ernst war immer gegeben. Wir sprachen bald nur noch von der Gummi-Form“, sagte Marco Schmitt von der Gemü-Lehrwerkstatt bei der Diskussion, die sich an die Vorstellung anschloss und von HZ-Redaktionsleiter Ralf Reichert moderiert wurde.

Aufhänger „Entscheidend ist, dass dieser Anhänger Aufhänger ist: Wie schütze ich mich“, meinte Ralf Pütz von der Deutschen Aids-Stiftung. Annemarie Flicker-Klein, Amtsärztin des Gesundheitsamtes, lobte: „Junge Menschen stellen etwas für junge Menschen her. Das hat Symbolcharakter.“ Uwe Trumpp, Leiter der Verkehrspolizei Künzelsau, schlug den Bogen zwischen Straßenverkehr und Aids-Prävention mit den Worten: „Im Straßenverkehr lasst bitte kein Gummi liegen“ – womit er auf die Unfallursache zu hohes Tempo hinwies.

Die Schlüsselanhänger sollen bei Info-Veranstaltungen von Polizei und Gesundheitsamt verteilt werden. Fritz Müller sagte zu, die Kampagne durch den Einsatz von Banner-Flugzeugen und Werbung, etwa bei der Rallye Langenburg Historic, zusätzlich zu unterstützen.

Quelle: H. Doll Hohenloher Zeitung
TV-Bericht  "SWR-Nachrichten" vom 19.12.2007

TV-Bericht "Heute in Deutschland" vom 20.12.2007

 

 

 

 

 

von links: Ralf Pütz (Deutsche Aids-Stiftung), Annemarie Flicker-Klein (Amtsärztin des Gesundheitsamtes), Gerhard Wolpert (Verkehrserzieher der Polizeidirektion Künzelsau), Landrat Helmut M. Jahn, Polizeipräsident Konrad Jelden, Helena Herzog (Schülersprecherin), Tuyet Do (Schülersprecherin), Uwe Trumpp (Leiter der Verkehrspolizei Künzelsau), Michael Marwitz (Schülersprecher), Richard Diesch (Leiter der Polizeidirektion Künzelsau), Fritz Müller (Unternehmer, GEMÜ)