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Freundeskreis Kaufmännische Schule Künzelsau
e.V.
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Was macht eigentlich ein Honorarkonsul? – Konsul Helmut Sigloch über die Schulter geschaut.
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von Dr. Hans Hagdorn
Honorarkonsul heißt nicht, dass seine Arbeit finanziell honoriert würde, stellte Prof. Sigloch gleich zu Anfang fest, sondern er arbeitet ehrenamtlich. Allerdings öffnet diese Tätigkeit viele Türen. Über eine Ausbildung zum Bankkaufmann, dann ein Studium an der Akademie für Welthandel in Genf und ein Maschinenbau-Studium kam der jetzt 68-Jährige 1970 nach Künzelsau, um nach dem Tod des Bruders die elterliche Buchbinderei weiter zu führen. Zuvor hatte er 10 Jahre im Ausland verbracht, um für ein schwäbisches Unternehmen das Ostasiengeschäft aufzubauen. 1970 erweiterte der Techniker Sigloch den Betrieb um eine Maschinenbaufabrik und einen Verlag und begann die Distribution der Produkte zu perfektionieren. Heute ist das Unternehmen in dieser Sparte Weltmarktführer. Als Unternehmer hat Helmut Sigloch stets Märkte gesucht, die hinter der allgemeinen Entwicklung hinterherhinkten, denn Westeuropa sei „ausgelutscht“. So ging er bereits 1975 nach Moskau, nahm 1985 einen Beratervertrag bei der Staatszeitung „Prawda“ an und betreute in dem Bücherland UdSSR zahlreiche einschlägige Betriebe. Heute werden in Russland zwar weniger Bücher produziert, doch kaum eines, das nicht über Sigloch-Maschinen gegangen ist. Nach der Wende trug 2001 die lettische Ministerpräsidentin Freiberga Helmut Sigloch das Amt des baden-württembergischen Honorarkonsuls für das baltische Land an. Konsul Sigloch stellte den Schülern nun Lettland vor: Nach der Fläche kleiner als Bayern, 2,5 Millionen Einwohner, Hauptstadt Riga mit 800.000 Einwohnern, ehemalige Hansestadt, in mancher Hinsicht immer noch deutsch geprägt. Nach der Selbständigkeit beging man den Fehler, die zu 40 Prozent russische Bevölkerung rauszuekeln, ein „Revanche-Foul“, das man nun zu revidieren sucht. Das rohstoffarme Land leidet seit dem EU-Beitritt 2001 unter Elitenabwanderung nach Irland und USA. Die Wirtschaftskrise hat das Land, das von zehnprozentigen Wachstumsraten verwöhnt war, besonders hart getroffen. Aber was macht nun ein Honorarkonsul? Von seinem Büro, das mit Ausnahmegenehmigung in Künzelsau steht, betreut er die 1500 Letten in Baden-Württemberg, vermittelte vor dem EU-Beitritt des Landes Visa, bereitet Staatsbesuche vor, öffnet Türen für Unternehmen und hilft geschäftliche und private Kontakte zu knüpfen. In Lettland sind immerhin 500 deutsche Firmen tätig, mit Joint Ventures oder selbständig, v.a. in Nischen des Traditionsbereichs Feinmechanik, der sich nach dem Absturz der Waffenindustrie nach der Wende entwickelt hat. Als größtes Übel nannte Konsul Sigloch die Korruption, deren Bekämpfung in den jungen Demokratien er auf eine Generation hinaus als ein hoffnungsloses Unterfangen einschätzt. Mit seinen Schlussworten appellierte er an seine jungen Zuhörer, die Rechtssicherheit in unserem Land schätzen zu lernen, Sprachen zu lernen, und zwar auch die Sprachen, die man morgen braucht, und Erfahrungen im Ausland zu sammeln. „Ich liebe Hohenlohe, liebe Künzelsau“, meinte Helmut Sigloch, der vier Sprachen spricht, aber mit Hohenlohisch kommt man in der Welt nicht durch. Studiendirektor Raimund Scelle dankte dem hochkarätigen Referenten, mit einem Weingebinde, was der Winzer und Weinhändler Helmut Sigloch mit dem Bonmot quittierte, auch andere Mütter hätten schöne Töchter.
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Bild: Studiendirektor Scelle bedankt sich bei Herrn Sigloch für den interessanten Vortrag |