Von der Fankurve in die Schule – Hoffenheim-Manager bei kaufmännischen Azubis in Künzelsau
 

König Fußball hatte wieder das Regiment ergriffen, als Manager Ernst Tanner und Fanbetreuer Mike Diehl von der TSG 1899 Hoffenheim vor über 70 Azubis und Schülern aus „ihrer Schule“ plauderten. Eingeladen hatte der Freundeskreis Kaufmännische Schule Künzelsau, denn Oberstudienrat Heinz Deuerbach hat seine Beziehungen spielen lassen. So freute sich Schulleiter Gerald Bollgönn, wieder einmal Prominenz aus Sport und Spiel begrüßen zu dürfen.

Diplom-Sportlehrer Ernst Tanner berichtete – noch mit bairischem Zungenschlag, wie er von der Nachwuchsarbeit bei den Münchner Löwen zur TSG 1899 Hoffenheim gekommen ist, wo er seit Mai letzten Jahres als „Abteilungsleiter Sport“ das Management übernommen hat. Schon immer hatte es ihn zum Leistungssport gezogen, doch die Jugendarbeit habe ihn geprägt, und so habe er manchen Nachwuchskicker zum Profi „gecoacht“. Zu seinen Aufgaben gehören die Führung der medizinischen Dienste, der Trainer, die Nachwuchssuche – auf Neudeutsch „Scouting“ – und die Spielanalyse.

Eng mit ihm arbeitet Mike Diehl, bekannt von Radio Regenbogen, der als Fanbetreuer anschaulich von seiner schwierigen Aufgabe berichtete, für einen jungen Verein das Fanwesen aufzubauen. Die TSG Hoffenheim musste ja mit ihrem rasanten Aufstieg in die Bundesliga auch erst die Infrastruktur schaffen, über die Traditionsvereine längst verfügen, ihre Spieler bekannt machen und eine eigene Fankultur begründen, die sich im Stadion lautstark in Szene zu setzen vermag. Wenn der Verein heute 5000 Fans in 128 Fanclubs hat, ist das Diehls Verdienst, der sich zusammen mit Ernst Tanner an die Vereinsspitze hochgearbeitet hat. Auch wenn hinter der TSG ein Dietmar Hopp steht, sei mit Geld allein noch kein Erfolg programmiert, selbst „ wenn Hopp den Messie einkaufen würde, was er durchaus könnte“. Zum letzten Heimspiel bemerkte Diehl nur flapsig: „Wir haben den VFB gewinnen lassen, damit er in der Bundesliga bleibt“, was bei den vielen Stuttgart-Fans im Publikum aber nur ein müdes Lächeln zeitigte. Dass gerade Hoffenheim so durchgestartet ist, liegt natürlich am Sponsor. Das kleine Hoffenheim als Hopps Heimatort versteht sich als Fußballclub für die ganze Metropolregion Rhein-Neckar.

Jetzt schlug die Stunde der Experten: Die beiden Referenten stellten sich ganz offen den Fragen ihrer Zuhörer. Die 50+1-Regel schütze die Vereine vor zu viel Einfluss von Einzelpersonen, meinte Tanner, so könne es nicht gehen wie bei englischen Vereinen, wo heute schon die Fans gegen die Investoren demonstrierten. Auch sichere die Regel die Wettbewerbsfähigkeit von Vereinen und Spielern. Vom neuen Trainer Holger Stanislawski sei man überzeugt, dass sein Wert von den Medien nicht richtig dargestellt werde, er sehe bei Hoffenheim nun einfach bessere Bedingungen als bei seinem bisherigen Club. Hinsichtlich der Jugendarbeit betonte Ernst Tanner, junge Kicker könnten ab 14 in ausgewählten Gastfamilien wohnen, ab 16 auch im Internat, und damit optimal trainiert werden. Zudem kooperiere man mit der Uni Heidelberg, mit einer Kinderakademie, gefördert würde also der intelligente Spieler, den der moderne Fußball einfach brauche. Weiter wollten die Schüler wissen, ob ein Spieler wirklich 12 Millionen Euro verdienen könne. Das regele der Markt, so Tanner. Zur Eingliederung von ausländischen Spielern habe man eigene Integrationskonzepte entwickelt. Junge Talente suche man zunächst in der Umgebung und dann erst anderswo. Das wöchentliche Arbeitspensum betrage bis zu 60 Stunden.

Schließlich stellte Ernst Tanner fest, das ganz Besondere an der TSG Hoffenheim sei der fulminante Aufstieg vom Dorfclub in die Bundesliga, ermöglicht durch den fußballbegeisterten Mäzen Dietmar Hopp.
 

Dr. Hans Hagdorn

 

Bild: v. l. Lehrer Heinz Deuerbach, Fanbeauftragter Mike Diehl, Manager Ernst Tanner und Schulleiter Gerald Bollgönn

Bild: Schüler des BKFH mit den Gästen aus Hoffenheim