Mit Scharfsinn und Charme – Umweltministerin Tanja Gönner weiß, wovon sie spricht

 

Wieder einmal hat der Freundeskreis Kaufmännische Schule Künzelsau Prominenz ins Klassenzimmer eingeladen. So freuten sich Dr. Walter Jaeger als Vorsitzender des Schulfreundeskreises und Schulleiter Gerald Bollgönn die Landesministerin für Umwelt, Tanja Gönner, zu begrüßen. Sie sollte vor Schülern, Lehrern und Ausbildern über ihr Ressort berichten. In gestochenem Hochschwäbisch appellierte die Ministerin an zwei Klassen angehender Wirtschaftsassistenten sich mit Politik auseinanderzusetzen, denn Demokratie lebe vom Mitmachen. Dann skizzierte sie knapp und klar die Kernpunkte der Landes-Umweltpolitik. Nachdem die Zeiten von wilden Müllkippen längst vorbei seien, gehe es heute vor allem um den Klimaschutz durch Reduktion der CO2-Emission. Die Politik habe es heute leichter, denn vonseiten der Wissenschaft lägen jetzt eindeutige Aussagen über die Ursachen des Klimawandels vor. Immer bedeutender werde auch der Lärmschutz und der Hochwasserschutz, für dessen Umsetzung auch manche Maßnahmen aus der Vergangenheit rückgebaut werden müssten. Diese Politik sei im Rahmen einer generellen Nachhaltigkeitsstrategie zu sehen, gemäß der die Politik für einen vernünftigen Ausgleich von Ökonomie, Ökologie und sozialen Erfordernissen sorgen müsse.
Wichtiger als ein vorgefertigtes Referat war der Ministerin das Gespräch mit den Jugendlichen, und so nahm sie zu Fragen hinsichtlich des Freiwilligen Ökologischen Jahres für junge Leute und zur curricularen Verankerung von Umweltwissen und Umweltbewusstsein der heranwachsenden Generation Stellung. Die Schule könne allerdings nicht alles leisten, sondern die Schüler müssten sich auch selbst um Information bemühen, denn dazu hätten sie heute bessere Möglichkeiten als je zuvor. Bei all diesen Fragen dürfe man nicht vergessen, dass für die meisten Menschen am Ende zähle, was sie im Geldbeutel hätten und was der Staat ihnen wieder über Steuern und Abgaben nehme. Auch auf spezielle Fragen zum Energieeinspeisungsgesetz, zur Rahmenkompetenz der EU und des Bundes in der Umweltgesetzgebung und zum Atomausstieg zeigte sich die Ministerin bestens informiert und vertrat in klarer Diktion und dabei stets sachorientiert und frei von Ideologie die Position der Landesregierung. In einem Land, das seinen Strombedarf zu 48 % aus Atomkraftwerken gewinne, müsse zum Konzept der klassischen Laufzeitverlängerung gemäß der ursprünglichen Auslegung der einzelnen Atomkraftwerke zurückgekehrt werden, natürlich nach den neusten Sicherheitsstandards. Nur so könne unser Land auch seine Führungsrolle in der Technologie von Bau und Rückbau von AKWs behalten. Verbunden werde dies mit dem Ziel den Anteil erneuerbarer Energien weiter zu steigern, damit der Atomausstieg nicht zu mehr CO2-Ausstoß führt. Auf die Frage einer Schülerin, was man hier gegen die Energieverschwendung in den USA tun könne, verwies Frau Gönner auf den Bewusstseinswandel, der sich in den Staaten vollzieht, seit Hurricane Catherina die Verwundbarkeit des Landes auch auf diesem Felde gezeigt habe.
Statt Blumen, die verwelken, statteten die Veranstalter die Ministerin mit Pralinen für ihre Weiterreise nach Brüssel aus. Neben der kompetenten Vermittlung von Fakten und politischen Leitlinien vermittelte sie ihren Zuhörern sympathische Jugendlichkeit und charmante Nähe – als eine Ministerin zum Anfassen, mit der man auf Augenhöhe reden kann.
 

Dr. Hans Hagdorn

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