Künzelsau – Prag. Duale Berufsausbildung in Tschechien

von Dr. Hans Hagdorn

Seit 1997 kommen alljährlich Studentinnen und Studenten von der Höheren Fachschule für Ökonomie in Prag ins Hohenlohische, um hier in Betrieben in die Praxis umzusetzen, was sie in der Theorie in ihrer 3-jährigen, unseren Berufsakademien ähnlichen Ausbildung erlernt haben. An dem Projekt beteiligen sich Firmen wie Berner, Bürkert, ebm, Stahl, Würth, Ziehl-Abegg und die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Eine der Unterrichtssprachen ist Deutsch, und deshalb müssen die tschechischen Aspiranten mit dem Abitur gute Deutschkenntnisse mitbringen, um überhaupt für diesen dualen Ausbildungsgang zugelassen zu werden. Das Projekt hat sich bewährt, und deshalb war ein offizieller Besuch der Hohenloher Partner in Prag längst wieder fällig. So fuhren Vertreter der genannten Betriebe und der Kaufmännischen Schule Künzelsau, welche die Studenten bei uns betreut, nach Prag, um dort vor Ort Akademie und Ausbildungspartner kennen zu lernen.

Die Schule liegt sehr reizvoll im Prager Stadtteil Karlin, wo sich Altbauten aus k. und k. Zeiten in zentrumsnaher, aber dennoch ruhiger Atmosphäre zu schönen Ensembles gruppieren. Aber gerade dieses Viertel hat unter der Flut im vergangenen August besonders schwer gelitten. So gleicht die Schule vom Keller bis zum Hochparterre noch einer Baustelle, denn das Wasser ist dort durch die Fenster eingedrungen und hat alles zerstört. Die Hochwasserlinie und darunter bröckelnder Putz markieren entlang den Straßenzügen, in Kirchen und Geschäften, wie hoch die Zerstörung hinauf reichte und lässt ahnen, wie schwer die Menschen dort getroffen wurden. Schulleiter Michel Vich und seine für den Unterricht in deutscher Sprache zuständigen Kolleginnen Olga Mokrejšova, Olga Urbánkova und Martina Jiránkova stellten dennoch mit optimistischem Blick in die Zukunft ihre Schule vor und erläuterten die Ausbildungsgänge der Studenten, die mit einer Arbeit in deutscher Sprache abgeschlossen werden.

Kenntnisreich und voller Stolz auf ihre schöne Stadt führten die Damen die Hohenloher Gruppe anschließend bei herrlichem Frühlingswetter durch Prag. Als duale Partner besuchte man tags darauf die tschechische Zentrale von Coca Cola am Stadtrand von Prag und die Českomoravská stavebni spořitelna, die tschechische Tochter der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Dort präsentierten als Schwäbisch Haller Mitarbeiter Reinhold Kettner und eine tschechische Praktikantin den Betrieb, und als Mitglied des Vorstands ließ es sich Walter Böhm nicht nehmen den Gästen aus Hohenlohe die erfolgreichste tschechische Bausparkasse und ihre nach deutschem Vorbild aufgebaute Struktur zu erläutern.

Mit dem Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union wird dieses mitteleuropäische Nachbarland mit uns wirtschaftlich noch enger verbunden sein und dort öffnen sich mit zunehmender Kaufkraft neue Märkte. So kehrten die Hohenloher Ausbilder und Lehrer zurück ins Kochertal im Bewusstsein zu diesen Entwicklungen und zur Annäherung der Menschen in beiden Ländern ein kleines Mosaiksteinchen beitragen zu können.

 

Bild von Dr. Hans Hagdorn

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bürkert, Stahl, Würth und der Bausparkasse und Lehrerinnen und Lehrer der Kaufmännischen Schule Künzelsau zusammen mit den mit den Gastgebern aus der Partnerschule in Prag vor dem Gebäude des tschechischen Tochterunternehmens der Bausparkasse Schwäbisch Hall

weitere Bilder